Chancengleichheit in der Berufswahl

Gleiche Chancen für Mädchen

Von der VII. Landeskonferenz der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten

„Chancengleichheit in der Berufswahl – Gleiche Chancen für Mädchen“ – um dieses Thema zu beraten, trafen sich vom 7. – 9.11.1999 weit über 50 Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Sachsen in Markkleeberg. Der Sonntag nachmittag wurde bereits zur Information und dem Austausch von aktuellen Projekten, vor allem für Mädchen genutzt. Sehr engagiert stellte Frau Feyler von der LAG Mädchen und junge Frauen ihr Projekt – „Freia“ – Frauen erweitern die Arbeitswelt, Berufsorientierung/Lebensplanung für Mädchen – vor. Auch andere Mitstreiterinnen nutzten die Gelegenheit, ihr Projekt bekannt zu machen, so die Wurzener Gleichstellungsbeauftragte mit der „Mädchen-Schreibwerkstatt“. Am Montag, dem offiziellen Tagungsbeginn, konnten wir viele Gäste aus Politik und den kommunalen Spitzenverbänden begrüßen. Ganz gespannt warteten alle auf die Staatsministerin für Fragen der Gleichstellung von Frau und Mann, Frau Christine Weber. Sie nutzte die Gelegenheit, sich als Gleichstellungsministerin vorzustellen und gleichzeitig zum Thema der Konferenz zu sprechen. Sie würdigte in ihrer Rede auch die bisherige Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft. Besondere Zustimmung erhielt sie, als sie ausführte, daß junge Mädchen ihre Lebensperspektive selbst bestimmen müssen, sie sollen wirtschaftlich unabhängig sein. Ebenso informierte die Ministerin darüber, daß ein Projekt zur Berufsorientierung für Mädchen und junge Frauen in Vorbereitung sei. Daß die Ministerin an einer gedeihlichen Zusammenarbeit mit allen Gleichstellungsbeauftragten interessiert ist und sich mit den Sprecherinnen treffen wird, um so über deren Arbeit informiert zu sein, empfanden alle Gleichstellungsbeauftragten als eine gute Ausgangsbasis der künftigen Zusammenarbeit. Die Grußworte, die sowohl der Landrat des Landkreises Leipziger Land, Herr Dieck, und der Bürgermeister der Stadt Markkleeberg, Herr Dr. Klose, an die Frauen richteten, fanden großen Beifall, weil zum einen die Arbeit anerkannt und zum anderen sehr kenntnisreich über das Thema der Konferenz gesprochen wurde. Großen Beifall erhielt auch Frau Prof. Dr.-Ing. habil. Hentschel (HTWK Leipzig), die das Impulsreferat hielt und als gelernte Maschinenbauerin, einem noch untypischen Beruf für Frauen, ihren Weg in der technischen Richtung gegangen ist. Sie fragte nach, ob Frauen ihre Chancen wirklich immer nutzen und wollte damit ermutigen, sich von einem Ziel, auch wenn es mitunter ungewöhnlich ist, nicht abbringen zu lassen. Sie unterstrich, daß schon die Eltern eine große Verantwortung tragen, Mädchen zu orientieren und nicht im festgelegten Rollenverhalten zu beharren. Sie stellte eindringlich dar, daß Mädchen so früh als möglich an Technik und Naturwissenschaften herangeführt werden, weil sie das auch können! Die Chancen für einen Ausbildungs- oder Studienplatz in technischen Berufen sind besser. Allerdings regte sie auch zum Nachdenken an, die Rahmenbedingungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Die Zielstellung der Landeskonferenz, Thesen von Expertinnen untersuchen zu lassen, Ergebnisse und Forderungen als Anfrage an die entsprechenden Gremien weiterzuleiten, wurde durch sehr kompetente Referentinnen unterstützt. So informierte Frau Nöhring vom Landesamt Sachsen über Untersuchungsergebnisse zum Berufswahlverhalten von Mädchen. Von 368 möglichen Berufen favorisieren die Mädchen meist nur zehn. Es sind oft Berufe in den human-sozialen Richtungen, die eine Einengung des Berufswahlspektrums bedeuten und wenig Chancen bieten. Interessant war auch, dass im Ergebnis der Untersuchung deutlich wurde, dass Mädchen Beruf und Familie miteinander verbinden wollen, während Jungen ihre spätere Berufstätigkeit nicht im Zusammenhang mit ihrer Familiengründung sehen. Da Mädchen sehr spät mit der Karriere- und Lebensplanung beginnen, sehen wir hier Ansätze zur Verbesserung der Situation, und zwar in der Elternarbeit und der Sensibilisierung der Pädagogen. Frau Dr. Hildebrand aus Meckenheim stellte ihre Untersuchungsergebnisse vor, die Resultat ihrer siebenjährigen Studie in Bayern und Sachsen waren. Im Ergebnis dessen legte sie dar, daß Mädchen und junge Frauen aus Sachsen Beruf und Familie vereinbaren wollen, sie wollen Vollzeit und das ein Arbeitsleben lang. Frau Dr. Reich von der TU Dresden, Physikerin und Frauenbeauftragte der TU, sprach über die Ergebnisse der Sommeruniversität an der TU Dresden. Sie plädierte dafür, diese Universität auch auf andere Hochschulen auszudehnen, um so das Interesse bei Mädchen für naturwissenschaftliche Berufe zu wecken. Auf diesem Gebiet, so Frau Dr. Reiche, bestünden für Mädchen durchaus Berufschancen, während in den sozialen Berufen oft nur für den Gang zum Arbeitsamt ausgebildet wird, ein Satz, der zu denken geben sollte. Alle Fachvorträge boten für Gleichstellungsbeauftragte gute Voraussetzungen, die für den Nachmittag im Technologie- und Beratungszentrum für Frauen (Göselhaus in Dreiskau-Muckern) durchgeführten drei Arbeitsgruppen entsprechende Ergebnisse zu erarbeiten und diese in der weiteren Tätigkeit sowie auch in Anträgen an die Landesregierung umzusetzen. Insgesamt ein sehr interessanter und fruchtbringender Tag, der seine Fortsetzung am zweiten Beratungstag fand. Dort wurden die Anträge beraten, beschlossen und zur Weiterleitung aufbereitet. Ein abschließender Tagesordnungspunkt war die Wahl der neuen Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaft.

 

Als Sprecherinnen wurden gewählt:

aus dem Regierungsbezirk Chemnitz:

Frau Monika Hageni, Stadtverwaltung Freiberg

Frau Elke Teller, Stadtverwaltung Chemnitz

 

aus dem Regierungsbezirk Dresden:

Frau Michaela Mayer, Landratsamt Meißen

Frau Kersti Riehle, Stadtverwaltung Görlitz

 

aus dem Regierungsbezirk Leipzig:

Frau Dorothea Klamta, Landratsamt Leipziger Land

Frau Evelin Müller, Stadtverwaltung Markkleeberg.

 

Wir bedanken uns bei allen, die die Konferenz unterstützt und begleitet haben und schließen uns der Meinung der Ministerin an, die sagte, daß die Chancengleichheit nur gemeinsam im Austausch untereinander und der Zusammenarbeit miteinander verwirklicht werden kann.  

Datum: 
Friday, November 26, 1999

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