Krankenschwester oder Computertechniker(in)?

Zur Eröffnungsveranstaltung der sächsischen Landeskonferenz kommunaler Frauenbüros

Am 8. November vergangenen Jahres wurde im Markkleeberger Rathaus die VII. Landeskonferenz der Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros in Sachsen eröffnet, zu der Landrat Dieck und der Bürgermeister der Gastgeberstadt, Dr. Klose, ebenso geladen waren, wie die neue Ministerin für Fragen der Gleichstellung von Frau und Mann, Frau Christine Weber. Schwerpunkt des diesjährigen Treffens war die Chancengleichheit von Mädchen in der Berufswahl. Die Ministerin lobte in ihrer Begrüßungsansprache die bisherigen Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft in den verschiedenen Gremien, wie z. B. seinerzeit am Runden Tisch. Sie betonte, dass die differenzierte Berücksichtigung der Geschlechter eine Bewusstseinsfrage ist. Wie langwierig eine solche Bewusstseinsveränderung einher geht, verdeutlicht der Trend der Berufsorientierung. „So entscheiden sich bundesweit nach wie vor 88 % der Mädchen und Frauen für nur zwölf Berufsgruppen“, bedauert die Ministerin. „Es kommt darauf an, die junge Generation in die Lage zu versetzen, selbstbewusst ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten zu erkennen und umzusetzen“, ergänzt sie ihre Ausführungen. Das dies in enger Zusammenarbeit mit den Partnern der Arbeitsverwaltung und der Wirtschaft und unabhängig vom Geschlecht realisiert werden muss, darüber waren sich alle ca. 50 anwesenden Frauen und Männer einig. Ihre deutlichen Worte hinsichtlich finanzieller Abhängigkeiten der Frauen von Männern und ihre kritischen Gedanken zu Erziehungsmustern der klassischen Rollenverteilung, honorierte das Publikum mit entsprechendem Beifall. Anders bei Bürgermeister Dr. Klose, der den Gleichstellungsgedanken auch in umgekehrter Richtung aufgreift und erwähnt, eine Gleichstellungsministerin müsse ja nicht immer eine Frau sein. Bei seinem grundsätzlich richtigen Gedanken vergaß der Mann leider, dass die derzeitige Ministerin in einem zwölfköpfigen Kabinett die einzige Frau ist. Die nun auch noch durch einen Mann zu ersetzen, fanden die Zuhörerinnen fehl am Platz und kommentierten diese Idee mit einem „Buuuh-Konzert“. Bleibt zu hoffen, dass dieses Missverständnis den immer wieder erwähnten Katalysator einer guten Zusammenarbeit „Streitbarkeit statt Streitsucht“ nicht von vorn herein vereitelt hat.  

Datum: 
Saturday, January 1, 2000

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