Politik für Männer und Frauen

Die Gleichstellung von Frauen und Männern ist eine der zentralen Herausforderungen, um das Leben in unserem Land zukunftsfähig und gerecht zu gestalten. Dafür müssen Frauen und Männer auf dem gesamten Lebensweg die gleichen Chancen erhalten – persönlich, beruflich und familiär.

Mit zahlreichen Gesetzesinitiativen und Projekten setzt sich das Bundesfamilienministerium dafür ein, gleich Chancen für Männer und Frauen zu schaffen.

Faire Einkommensperspektiven schaffen

Überall in Europa verdienen Frauen weniger als Männer. In Deutschland liegt die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern bei 21 Prozent pro Arbeitsstunde. Dahinter steht eine Reihe struktureller Ursachen: Frauen arbeiten häufiger in niedrig entlohnten Branchen, sie unterbrechen länger ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt und der anschließende Wiedereinstieg gelingt meist nur in Teilzeit oder im Minijob. Die Vielschichtigkeit der Ursachen bedeutet, dass die Lohnlücke nur im Zusammenwirken verschiedener Maßnahmen reduziert werden kann.

Um die Lohnlücke zu schließen, will die Bundesregierung mit einem Gesetz zur Lohngerechtigkeit nach dem Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit" mehr Transparenz in die Gehälter bringen. Begleitend dazu soll eine gemeinsame Initiative mit den Tarifpartnern gestartet werden, um die Muster von struktureller Entgeltungleichheit in Tarifverträgen zu erkennen und zu überwinden.

Mit dem Aktionsprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" werden die Ein- und Aufstiegschancen von Frauen nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung verbessert.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Der Anteil weiblicher Führungskräfte bleibt trotz vergleich¬barer Karriereorientierung deutlich hinter dem der Männer zurück. Es ist höchste Zeit, den vielen qualifizierten Frau¬en den Weg nach oben frei zu machen. Mit dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst schaffen Politik und Wirtschaft die Voraussetzungen dafür, den erforderlichen Kulturwandel einzuleiten.

Seit dem 1. Januar 2016 gilt die fixe Geschlechterquote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in n börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen. Etwa 3500 weitere Unternehmen sind verpflichtet, sich eigene Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen zu setzen.  Begleitet wird dieser Prozess durch regionale Bündnisse für Chancengleichheit, um die Karriereentwicklung von Frauen auf regionaler Ebene zu fördern.

Dass die Quote wirkt, macht eine interaktive Datenanwendung deutlich. Sie ermöglicht es, sich den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten anzeigen zu lassen - gezielt nach Branchen, Unternehmensgröße oder Regionen.

Frauen vor Gewalt schützen, Schwangeren in Not helfen 

Faire Chancen setzen ein Leben ohne Gewalt- und Noterfahrungen voraus. Schutz vor geschlechterbezogener Gewalt und Hilfen für Schwangere in Not- und Konfliktlagen sind dabei unabdingbar. Hier setzt das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen“ an. Unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 erhalten Betroffene und Angehörige Unterstützung - rund um die Uhr, anonym und mehrsprachig. Die qualifizierten Beraterinnen unterstützen bei allen Formen von Gewalt und ermöglichen auf Wunsch den Zugang zum bestehenden Hilfesystem.

Darüber hinaus ist im Mai 2014 das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft getreten. Ziel ist es, schwangeren Frauen in besonderen Konfliktsituationen eine qualifizierte Beratung sowie eine medizinische Betreuung und Versorgung bei Schwangerschaft und Geburt auch dann zu ermöglichen, wenn sie anonym bleiben wollen. Für den niedrigschwelligen Zugang zum Beratungsangebot hat das Bundesfrauenministerium das bundesweite Hilfetelefon  "Schwangere in Not - 0800 40 40 020" eingerichtet.

Schwangere Frauen in Notlagen unterstützt auch die Bundesstiftung "Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens".

Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer

Auch Jungen und Männern stehen längst nicht alle Wege offen. Auch sie werden häufig durch traditionelle Geschlechterrollen eingeengt, sind nur selten in den zukunftsträchtigen sozialen und pädagogischen Berufen vertreten und sehen sich mit Vorbehalten konfrontiert, wenn sie sich verstärkt um die Erziehung ihrer Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern wollen.

Mit dem Jungen-Zukunftstag "Boys'Day", der seit 2011 jedes Jahr parallel zum "Girls'Day" stattfindet, und anderen Aktionen unterstützt das Bundesfamilienministerium Jungen bei selbstbestimmten Entscheidungen zur Berufs- und Lebensplanung abseits von Rollenklischees.

Mit dem vom Europäischen Sozialfonds geförderten Bundesmodellprogramm "Quereinstieg - Männer und Frauen in Kitas" werden erwachsenengerechte und vergütete Wege in diesen Zukunftsberuf erprobt und verbessert.

Kinderwünsche erfüllen

Immer mehr Paare in Deutschland sind bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches auf medizinische Hilfe angewiesen. Dauer und Kosten der Behandlungen stellen für die Betroffenen aber oft eine erhebliche finanzielle und psychische Belastung dar.

Das Bundesfamilienministerium hat deshalb die Bundesinitiative "Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit" gestartet. Ziel ist es, für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch die finanzielle Unterstützung zu verbessern, die Beratung zu optimieren, eine verständnisvolle Begleitung sicherzustellen und das Thema "ungewollte Kinderlosigkeit" zu enttabuisieren.

Teilhabe

Faire Chancen braucht es auch bei der politischen Teilhabe von Frauen. Nach wie vor sind Frauen in der Politik unterrepräsentiert, vor allem auf der kommunalen Ebene: Der Anteil weiblicher Bürgermeisterinnen liegt bei nur zehn Prozent. Daher hat das Bundesfrauenministerium das Helene Weber-Kolleg ins Leben gerufen.  Das parteiübergreifende Netzwerk unterstützt Frauen mit Mentoring- und Coaching-Programmen beim Einstieg in die politische Arbeit. Als besondere Auszeichnung für engagierte Kommunalpolitikerinnen wird in jeder Legislaturperiode der Helene Weber-Preis verliehen.

Integration 

Eine wichtige Voraussetzung für die Integration von Migrantinnen ist die Einbindung in den Arbeitsmarkt. Als gemeinsame Initiative von Bundesfrauenministerium und Bundeswirtschaftsministerium wird daher das Projekt "MIGRANTINNEN gründen" gefördert, das Frauen mit Zuwanderungsgeschichte bei der Existenzgründung unterstützt.

Zum Schutz von gewaltbetroffenen Flüchtlingsfrauen und ihren Kindern hat das Bundesfrauenministerium eine Reihe von Maßnahmen initiiert, unter anderem ein Programm zur Förderung baulicher Schutzmaßnahmen für Frauen, Kinder und sonstige schutzbedürftige Personengruppen in Flüchtlingsunterkünften.

Internationale Gleichstellungspolitik

Die Bundesregierung setzt sich auch international für die Gleichstellung der Geschlechter ein und arbeitet dafür mit verschiedenen Partnern zusammen. Meilensteine für die weltweite Verwirklichung der Gleichstellung waren das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW, seit 1981 in Kraft) sowie die Vierte Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking.

Die Europäische Union verpflichtet alle ihre Mitgliedstaaten durch ihre Rechtsetzung und weitere Maßnahmen, Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts zu beseitigen und die Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere auf dem Arbeitsmarkt zu fördern. Prominentes Beispiel für die Umsetzung von EU-Richtlinien in diesem Bereich ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Auch der der Europarat beschließt Konventionen, Programme und Empfehlungen zur Sicherung der Menschenrechte und der Gleichstellung der Geschlechter, zuletzt das Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt (Istanbul Konvention, 2011). 

11.08.2016 Hintergrund­meldung Gleichstellung

Quelle: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/politik-fuer-maenner-und-frauen/107250

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