Neue Wege - Gleiche Chancen Erster Gleichstellungsbericht erschienen

Neue Wege - Gleiche Chancen

Erster Gleichstellungsbericht erschienen

 

Der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung wurde am 15. Juni 2011, bestehend aus dem Gutachten einer interdisziplinären Sachverständigenkommission mit dem Titel "Neue Wege - gleiche Chancen. Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf" und der Stellungnahme des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), vom Bundeskabinett beschlossen und veröffentlicht.

 

In einer Fortsetzungsfolge werden die wichtigsten Ergebnisse der Analyse vorgestellt.

Erstmalig bietet die Bundesregierung eine umfassende Bestandsaufnahme der Gleichstellungssituation in Deutschland und fokussiert die aktuelle Lage von Frauen und Männern in zentralen Schlüsselbereichen. Der Bericht verweist unter der thematischen "Lebenslaufperspektive" darauf, wie eine nachhaltige Gleichstellungspolitik für Frauen und Männer entwickelt werden kann und macht langfristige Folgen von Entscheidungen in einzelnen Lebensabschnitten von Frauen und Männern deutlich. Resultierend daraus muss Gleichstellungspolitik künftig stärker als Quer- und als Längsschnittaufgabe verstanden und ein konsistentes Leitbild in der Gleichstellungspolitik entwickelt werden. Für dieses Ziel engagieren sich die haupt- und ehrenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten im Freistaat Sachsen als wesentliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Landratsämtern, Städten und Gemeinden.

 

Gleichstellungssituation heute

In Deutschland stehen politsche und rechtliche Maßnahmen für unterschiedliche Lebensphasen der Geschlechter gegenwärtig unverbunden nebeneinander. Als Folge entsteht Unterstützung in der einen Lebensphase, in der nächsten bricht diese wieder ab oder weist in eine andere Richtung. Diese Brüche gleichen "Sackgassen", die in Deutschland an vielen Stellen noch vorzufinden sind und daher dringend abgebaut werden müssen. Der Bericht erkennt Handlungsbedarf an den Übergängen zwischen den einzelnen Lebensphasen, beispielsweise bei der ersten beruflichen Orientierung, bei der Familiengründung oder beim Wiedereinstieg ins Berufsleben. Konsistent gestaltete Gleichstellungsarbeit als wichtiger Bestandteil moderner Innovationspolitik birgt ein enormes, gerade auch wirtschaftliches Potenzial. Sie erweist sich angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräftebedarfs im Freistaat Sachsen als unverzichtbar. Folgende Themen wurden im Gleichstellungsbericht analysiert und mit Empfehlungen versehen:

  1. Gleichstellungspolitik in der Lebenslaufperspektive
  2. Rollenbilder und Recht
  3. Bildung
  4. Frauenerwerbsarbeit, Teilzeit und Minijobs
  5. Erwerbsunterbrechungen
  6. Frauen in Führungspositionen
  7. Geschlechtsspezifische Lohnlücke und Niedriglöhne
  8. Erwerbsarbeit- und Familienzeiten
  9. Alterssicherung
  10. Pflege- und Pflegebedürftigkeit

Gleichstellungspolitik in der Lebenslaufperspektive

Unter Gleichstellungspolitik in der Lebenslaufperspektive werden langfristige Auswirkungen bestimmter Entscheidungen in den einzelnen Lebensabschnitten aufgezeigt. Erst der Blick auf die Lebensverlaufsperspektiven verdeutlicht, welche Folgen Lebensereignisse und getroffene Entscheidungen in unterschiedlichen Lebensphasen für unterschiedliche soziale Gruppen von Frauen und Männern langfristig haben. Erst dadurch wird ersichtlich, ob bei Frauen und Männern tatsächliche Verwirklichungschancen vorhanden sind und wie diese von der jeweiligen Lebensführung abhängen. Ziel dabei ist, dass beide Geschlechter ihr gewähltes Leben leben können; die Analyse zeigt jedoch, dass keine echte Wahl- und Gestaltungsfreiheit herrscht. Frauen und Männer leben in partnerschaftlichen und familiären Bindungen, daher treffen sie ihre Entscheidungen davon nicht losgelöst. Gleiches gilt für für die Erwerbsentscheidung. Beispielsweise steht hier die Frage, welcher Elternteil wie lange Elternzeit nimmt, ob und wann im Anschluss ein Wiedereinstieg in die Erwerbsarbeit erfolgen soll. Werden dabei auch die institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland betrachtet, wird analysiert, dass sie starke Anreize zu einer ungleichen Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen verheirateten und unverheirateten Menschen setzen. Junge Paare starten heute oft mit der Vorstellung von gleichberechtigter Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit in ihr gemeinsames Leben. Spätestens mit dem ersten Kind stellt sich jedoch eine Retraditionalisierung der Geschlechterrollen ein. Folglich stecken meist Frauen beruflich zurück. Die Betrachtung der Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit in Paarhaushalten über einen längeren Zeitraum präsentiert eine zunehmende traditionelle Aufgabenverteilung mit zunehmender Ehedauer. Die Gewöhnung an traditionelle Strukturen wird durch institutionelle Rahmenbedingungen ebenso beeinflusst.

 

Wird fortgesetzt.

Datum: 
Dienstag, November 1, 2011

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Spamschutz
Image CAPTCHA
Tragen Sie die Zeichen hier ein.